Die Gerüchte der letzten Wochen haben sich somit
bewahrheitet: zum Sommersemester 2011 wird die Universität Luxemburg (Uni.lu)
ihre Einschreibegebühren verdoppeln. Die UNEL verurteilt diesen Schritt und
zeigt sich besorgt über den Zynismus mit dem die Unileitung diese Erhöhung
verteidigt. Denn die Argumentation deutet darauf hin, dass die Einschreibegebühr
de facto zu einer Studiengebühr wird. All dies bekräftigt die UNEL darin weiter
für eine Überarbeitung des gesetzlichen Rahmens der Uni.lu zu kämpfen.
Bildung als öffentliches Gut
Für die UNEL stellt Bildung ein
öffentliches Gut dar, zu welchem jeder freien Zugang haben sollte. Wie unter anderem im Sozialpakt der Vereinten Nation festgehalten[1], bildet die
Unentgeltlichkeit des Studiums eine wichtige Grundvoraussetzung für ein
demokratisches Hochschulwesen. Die UNEL vertritt diese Werte mit voller
Überzeugung, da auch die Erfahrungen im Ausland klar gezeigt haben, dass
Gebühren unnötig vom Studieren abhalten.
„400 € im Jahr ist ja nicht viel“
In
der Pressemitteilung der Uni.lu schwingt wieder das typische Argument mit 400€
im Jahr seien ja gar nicht so viel. Es mag sein, dass für viele Studierende
400€ eine bezahlbare Summe darstellt. Doch
mit dem gleichen Argument könnte man auch schon 400€ für ein Jahr im „Lycée“ verlangen
oder die Dienste der Feuerwehr an eine Gebühr binden. Beides geschieht
jedoch nicht, da sowohl Sicherheit als auch Bildung ein öffentliches Gut darstellen
und somit durch die Gesellschaft über den Staat bereitgestellt werden. Die
Frage der Finanzierung kann also nur über ein gerechtes Steuersystem geklärt
werden. Es geht also um die prinzipielle Entscheidung: Studiengebühren oder
unentgeltlicher Zugang?
Studiengebühren oder Einschreibegebühren?
Bei
der Unterscheidung zwischen Studien- und Einschreibegebühren geht es nicht nur
um Semantik. Einschreibegebühren sind eine rein administrative Gebühr die
erhoben wird um die Einschreibung (bzw. Rückmeldung) des Studierenden buchhalterisch
festzuhalten. Diese Gebühr ist also relativ niedrig und symbolisch. Die Logik
der Studiengebühren jedoch sieht im Studierenden einen Kunden, der für
Leistungen der Universität zahlt.
Die
Argumentation der Uni.lu belegt, dass die Einschreibegebühr in den Köpfen der
Unileitung schon lange zur Studiengebühr geworden ist. So werden in der
Pressemitteilung der Uni.lu die 200€ Einschreibegebühr direkt mit den 500€
Studiengebühren in Deutschland verglichen (Die Einschreibegebühren liegen in
Deutschland jedoch nur bei ca. 40-60€, je nach Bundesland). Abgesehen von dieser Verwechslung spricht
auch die Tendenz der schrittweisen Erhöhung dafür, dass die Uni.lu die
Einschreibegebühren als Studiengebühr missbraucht.
Komplet
falsch ist auch die Aussage nur in Österreich gebe es keine Studiengebühren.
Neben Österreich erheben nämlich auch Dänemark, Griechenland, Island, Litauen,
Slowakei, Finnland, Schweden, Zypern, Norwegen, Malta und die meisten deutschen
Bundesländern keine Studiengebühren.
Für eine demokratische Uni.lu
Da die Erfahrungen in Europa gezeigt haben,
dass Studiengebühren schrittweise erhöht werden und somit den freien Zugang zu
Bildung immer mehr einschränken, fordert die UNEL einen strikteren gesetzlichen
Rahmen. Dieser soll das Aufblähen der
Einschreibegebühren zu Studiengebühren unterbinden und den freien Zugang zur
Hochschulbildung sichern. Im Zuge einer solchen Reform könnte auch die interne
Struktur der Uni.lu demokratisiert werden. Denn als Verfechter demokratischer
Rechte ist es für die UNEL untragbar, dass im „conseil de gouvernance“ die
Hauptakteure (also Studierende, Lehrkräfte und Personal) über kein Stimmrecht
verfügen. Demokratischer wäre hingegen
ein oberstes Entscheidungsgremium, das in seiner Zusammensetzung dem „conseil
universitaire“ entspräche.
Der
aktuelle „conseil de gouvernance“ scheint zudem seine eigenen Regeln nicht zu
respektieren. So erhielten die Angestellten und Studentenvertreter der Uni.lu
am Mittwochnachmittag eine Email, die sie darüber informierte, dass alle
Entscheidung erst im September getroffen werden könnten, da das Quorum nicht
erreicht worden sei.
Es liegt nun in
der Hand der Studierenden der Uni.lu sich gegen die undemokratische und
unsoziale Politik ihrer Unileitung zu Wehr zu setzten. Die UNEL wird ihnen auf
jeden Fall zur Seite stehen.
[1] Internationaler Pakt über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte von 1966, 1983 von Luxemburg
ratifiziert. Siehe Art 13. 2. C, http://www2.fzs.de/uploads/unsozialpakt.pdf